Am 10. November 2026 endet der Support für .NET 8 und .NET 9, und zwar für beide Versionen am selben Tag. Ab dann veröffentlicht Microsoft für diese Versionen keine Sicherheitsupdates mehr. Viele Kundenportale, interne Fachanwendungen, Web-APIs und Hintergrunddienste im Mittelstand laufen genau auf diesen Versionen. Bis zum Stichtag bleiben gut zwei Wochen, um den Bestand zu prüfen und den Umstieg auf .NET 10 zu planen.
Was ändert sich
Zwei Versionen, ein Termin. .NET 8 ist eine Version mit Langzeitsupport (LTS). Sie erschien im November 2023 und wurde drei Jahre lang gepflegt. .NET 9 ist eine Version mit Standard-Laufzeit (STS) und kam ein Jahr später. Microsoft hat die Supportdauer für STS-Versionen von 18 auf 24 Monate verlängert. Deshalb endet .NET 9 nun zeitgleich mit .NET 8. Wer im vergangenen Jahr auf .NET 9 „vorgezogen“ hat, gewinnt damit keine Zeit.
Was nach dem Stichtag passiert: Bestehende Anwendungen laufen weiter. Es gibt aber keine Sicherheitskorrekturen und keinen technischen Support mehr. Wie wichtig diese Updates sind, zeigt der Oktober-Patchday: Berichten zufolge hat Microsoft dabei in .NET 8, 9 und 10 zahlreiche Schwachstellen geschlossen, darunter auch solche, über die sich Schadcode ausführen lässt. Der 10. November ist selbst ein Patchday. Bei Bedarf kann es also noch ein letztes Update geben, danach ist Schluss.
Was noch betroffen ist:
- PowerShell 7.4 und 7.5 basieren auf .NET 8 bzw. .NET 9 und erreichen ebenfalls am 10. November ihr Supportende. Nachfolger ist PowerShell 7.6 (LTS, Support bis November 2028).
- Azure App Service: Microsoft weist Kunden ausdrücklich darauf hin, dort gehostete .NET-8-Apps auf .NET 10 umzustellen.
- Visual Studio 2022 wird die .NET-8- und .NET-9-Komponenten mit einem späteren Update als „nicht mehr unterstützt“ markieren.
Nicht betroffen ist das klassische .NET Framework 4.8. Es folgt einem eigenen Lebenszyklus, der an Windows gekoppelt ist.
Das Ziel heißt .NET 10. Die Version ist seit November 2025 verfügbar, ebenfalls LTS und wird bis November 2028 mit Updates versorgt. .NET 11 erscheint zwar zur .NET Conf vom 10. bis 12. November. Als STS-Version eignet es sich für langlebige Geschäftsanwendungen aber weniger als .NET 10.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen
Eine Anwendung ohne Sicherheitsupdates wird nicht über Nacht unsicher. Sie wird es aber mit jeder neu entdeckten Lücke ein Stück mehr. Besonders kritisch sind Anwendungen, die aus dem Internet erreichbar sind, etwa Kundenportale, Shops, Schnittstellen zu Partnern oder Login-Seiten. Microsoft bietet für .NET keine kostenpflichtigen Verlängerungen an, wie es sie für Windows gibt. Ein offizielles Sicherheitsnetz existiert also nicht.
Hinzu kommt die Compliance-Seite: Wer nach NIS2 oder branchenspezifischen Vorgaben arbeitet oder Kunden mit Sicherheitsfragebögen hat, muss erklären können, warum produktive Software auf einer Plattform ohne Herstellersupport läuft. Auch Cyberversicherungen fragen zunehmend nach dem Patchstand.
Die gute Nachricht: Der Sprung von .NET 8 auf .NET 10 ist in den meisten Fällen kein Neubau. Oft genügen eine geänderte Zielversion, aktualisierte Pakete und ein gründlicher Test. Aufwendiger wird es bei alten Bibliotheken, die nicht mehr gepflegt werden, oder wenn ohnehin aufgeschobene Modernisierung nachgeholt werden muss.
Empfohlene nächste Schritte
- Bestand erfassen: Auf welchen Servern und in welchen Containern laufen .NET-Anwendungen? Der Befehl
dotnet --list-runtimeszeigt die installierten Laufzeiten. In Projekten verrät die AngabeTargetFramework(z. B.net8.0) die Version, in Docker-Dateien das Basis-Image (z. B.aspnet:8.0). - Nach Risiko priorisieren: Zuerst alles, was aus dem Internet erreichbar ist oder sensible Daten verarbeitet, danach interne Werkzeuge.
- Umstellen und testen:
TargetFrameworkaufnet10.0ändern, NuGet-Pakete wie Entity Framework Core auf Version 10 aktualisieren, die Hinweise zu Breaking Changes prüfen und automatisierte sowie fachliche Tests durchführen. - Betriebsumgebung nachziehen: .NET-10-Laufzeit bzw. ASP.NET Core Hosting Bundle auf IIS-Servern installieren, Container-Images und CI/CD-Pipelines aktualisieren, in Azure die Laufzeitversion umstellen.
- Skripte nicht vergessen: Automatisierungen mit PowerShell 7.4 oder 7.5 auf 7.6 umstellen und testen.
- Software von Herstellern: Bei Fachanwendungen von Drittanbietern nach einer Version für .NET 10 fragen und sich den Termin schriftlich bestätigen lassen.
- Wenn es bis zum 10. November nicht reicht: Das letzte verfügbare Update einspielen, den Zugriff aus dem Internet so weit wie möglich einschränken, Monitoring verschärfen und die Umstellung verbindlich für die nächsten Wochen einplanen.
Wie Sadeem hilft
Wir entwickeln und betreiben Individualsoftware unter anderem mit C# und .NET und übernehmen die Umstellung Ihrer Anwendungen auf .NET 10 aus einer Hand: von der Bestandsaufnahme über die Anpassung des Codes und automatisierte Tests bis zum Rollout auf Ihren Servern, in Containern oder in Azure. Auf Wunsch kümmern wir uns danach im Managed Hosting in Deutschland bzw. der EU um Updates, Backups und Monitoring, damit das nächste Supportende nicht wieder überraschend kommt.
Sie sind unsicher, welche Ihrer Anwendungen betroffen sind? In einem kostenlosen Erstgespräch verschaffen wir uns gemeinsam einen Überblick.
Quellen
- Microsoft .NET Blog: .NET 8 and .NET 9 will reach End of Support on November 10, 2026 (29.06.2026)
- Microsoft: .NET and .NET Core Support Policy
- Microsoft .NET Blog: .NET and .NET Framework October 2026 servicing updates
- Microsoft Learn: PowerShell Support Lifecycle
- Azure-Hinweis AZ558033: Support for .NET 8 (LTS) ends on November 10, 2026
- Microsoft .NET Blog: .NET Conf 2026
- Warp2Search: .NET 11 RC2 and October 2026 Security Patches
- InfoWorld: End of support looms for .NET 8 and .NET 9
